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27. Januar 2009

Patent Award 2008 für Braunschweiger Erfinder um Prof. Koch

Eine Erfindergruppe der TU Braunschweig um Prof. Dr. Martin Koch wurde jetzt mit dem Patent Award 2008, dem Zukunftspreis der IP Bewertungs AG (IPB), ausgezeichnet. Die Wissenschaftler hatten sich unter 150 Mitbewerbern mit ihrer patentierten Erfindung von frequenzselektiven, flexiblen und kostengünstigen Spiegeln für das WLAN von morgen durchgesetzt.

Projiziert man den stetig ansteigenden Bandbreitenbedarf von drahtlosen Kommunikationssystemen in die Zukunft, ist es offensichtlich, dass die Frequenzbereiche heutiger und kommender Systeme bereits in 10 bis 15 Jahren nicht mehr ausreichen werden. Doch wie kann der alltägliche Bedarf der schnellen Übertragung großer Datenmengen in unserer Informationsgesellschaft zukünftig gedeckt werden? Um diese immensen Datenraten von einigen 10 Gigabit/s (u.a. für mobile elektronische Assistenten in den Bereichen Arbeit und Büro, Verkehr, Medizin, Freizeit und Unterhaltung etc.) drahtlos zur Verfügung zu stellen, ist es unausweichlich, langfristig höhere Trägerfrequenzen zu verwenden. Die Braunschweiger Forscher arbeiten im Terahertz Communications Lab daran, die Lücke im elektromagnetischen Spektrum, den Terahertz(THz)-Frequenzbereich, für die kurzreichweitige Kommunikationstechnik zu erschließen.

Dabei wurde schnell deutlich, dass die Indoor-Kommunikation mit THz-Frequenzen einen Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger erfordert. Unterbrechen jedoch Personen oder Objekte diese Verbindung, muss der Informationsball quasi über Bande gespielt werden. Simulationen zeigen, dass wenige spiegelnde Hot Spots an den Wänden ausreichen, die THz-Wellen als Informationsträger zum Ziel zu leiten. Anders als metallische reflektieren dielektrische Spiegel auf Basis einer Vielfachschichtanordnung. Der Vorteil liegt in einer höheren Reflektivität und darin, dass sie sich gezielt auf ausgewählte Frequenzfenster abstimmen lassen. Dieses physikalische Prinzip ist nicht neu.

Die Innovation der Erfinder liegt vielmehr in der Auswahl und Entwicklung der Schichtmaterialien, um mittelfristig massenmarktkompatible Produkte herstellen zu können. Dazu nutzen sie handelsübliche Kunststoffe. Jede zweite Schicht wird jedoch mittels Zusatzstoff verändert, z.B. mit Titandioxid, das auch in Zahnpasta oder Wandfarbe Verwendung findet. Im Gegensatz zu bisher bekannten Lösungen, ermöglicht diese Kombination aus Basiskunststoff und additivierter Schicht nicht nur eine hohe Flexibilität in der Auslegung des Bauteils. Auch können bekannte Fertigungsverfahren aus der Kunststofftechnik eingesetzt werden, um die Spiegel in Massenproduktion herzustellen und zukünftig private Haushalte und Konferenzräume günstig auszurüsten.

Im Rahmen des Innovationspreises der deutschen Wirtschaft mit mehr als 2.000 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien, darunter Gerhard Schröder und Dr. Annette Schavan, nahmen Prof. Koch (seit Jahresbeginn Professor an der Philipps-Universität Marburg) und Miterfinder Steffen Wietzke am 24.1.2009 in der Deutschen Oper in Frankfurt den mit 25.000 € dotierten 1. Preis von Dr. Andreas Muth, Vorstand der IPB Holding AG, entgegen. Sie repräsentierten ein sechsköpfiges Erfinderteam vom Institut für Hochfrequenztechnik der TU Braunschweig, zu dem auch Christian Jansen, Christian Jördens, Norman Krumbholz und Frank Rutz gehören. Steffen Wietzke zeigte sich überrascht vom Gewinn: „Die Ideen aller Preisträger offenbaren eine äußerst hohe innovative Qualität. Diese Auszeichnung ist daher eine besondere Ehre für uns.“

Die IPB ist eine der führenden Beratungsgesellschaften für Patentbewertung, Patentverwertung und Patentmanagement in Europa. Mit dem Patent Award soll die Bereitschaft gefördert werden, Patente anzumelden.


(v. l. n. r.): Prof. Dr. Martin Koch, Miterfinder
Steffen Wietzke, Dr. Andreas Muth (Vorstand der IPB Holding AG).
Quelle: Olaf Adickes, eventDiary GmbH

Weitere Informationen:
www.tu-braunschweig.de/ihf/ag/terahertz

Ansprechpartner

Dipl-Ing. Steffen Wietzke, Technische Universität Braunschweig, Institut für Hochfrequenztechnik, Arbeitsgruppe Terahertz-Systemtechnik
Telefon: 0531 / 391-2010