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11. Juni 2009

Neue Technik hilft alten Menschen: Informatiker entwickeln altersgerechte Musterwohnung

Der Fernseher ersetzt das Hörgerät, der Heimtrainer überwacht die Herzfrequenz und Lampen erinnern an vergessene Medikamente: Diese technischen Finessen sollen alten Menschen in Zukunft helfen, selbstständig in ihrer Wohnung zu leben. Auf 48 Quadratmetern ist diese innovative Technik jetzt in Oldenburg erlebbar.

Techniker des Instituts für Informatik Offis in Oldenburg haben eine funktionsfähige 2-Zimmer-Musterwohnung mit Bad und Küche mit zahlreichen Komfort- und Assistenzsystemen eingerichtet. „Die technische Unterstützung wird dabei helfen, dass Menschen länger in Würde und komfortabel in ihren eigenen vier Wänden leben können“, sagt Jochen Meyer, Leiter des Bereichs Gesundheit des Offis. Damit die Technik angenommen werde, müsse sie sich unaufdringlich und problemlos in das tägliche Leben einpassen, meint Meyer. Die Umbauten für die Ziel-Altersgruppe über 65 Jahren passen sich daher unauffällig in bestehende Wohnräume an und sind einfach zu bedienen.

Im Wohnzimmer steht beispielsweise der Fernseher, der Schwerhörigen das Hörgerät erspart. „Der Ton wird nicht einfach nur lauter, er wird den Hörschwächen des Zuschauers angepasst“, erklärt Jochen Meyer. Außerdem erscheint eine Botschaft auf dem Bildschirm, wenn es beispielsweise an der Tür klingelt. Auch die Lampen sorgen nicht nur für Licht: Sie helfen gegen das Vergessen, indem sie ihre Farbe von grün nach rot wechseln. Rot erinnert beispielsweise an die Einnahme von Medikamenten. Auch Signaltöne können gegen die Vergesslichkeit helfen.

Nebenan, im Schlafzimmer, steht ein Heimtrainer, der herzkranke Sportler überwacht und Herzfrequenzen direkt an den jeweiligen Arzt schickt. „Das nimmt den Menschen die Angst. Sie können sich fordern und trainieren, aber wissen immer, dass der Arzt die Trainingsergebnisse kontrolliert“ , begründet der Informatiker das Sportgerät mit integriertem EKG. Angst ist im Alter ein großes Thema, dazu zählt auch die Sorge, nach einem Sturz hilflos in der Wohnung zu liegen. Damit das nicht passiert, messen Bad und Küche auf Wunsch den Wasserverbrauch. So wird für den Bewohner unsichtbar und ohne weiteren Aufwand überprüft, dass alles seinen gewohnten Gang geht.

Die Musterwohnung steckt voller technischer Kniffe, die getestet werden sollen. In ihr entstehen Studien, die klären, ob die Technik umsetzbar und einfach bedienbar ist. Bis sie allerdings in den ersten Privatwohnungen eingebaut wird, wird noch einige Zeit vergehen. Zusätzlich ist die funktionstüchtige Wohnung ein Schauraum für Experten aus der Medizin- und Pflegebranche, aber auch potenzielle Endanwender können die Assistenzsysteme der Zukunft in Gruppen bestaunen.

Weitere Informationen:
www.offis.de


In der Senioren-Wohnung werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte demonstriert.

Ansprechpartner

Jochen Meyer, Offis - Institut für Informatik, Oldenburg
Telefon: 0441 / 9722-185