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19. Oktober 2007

HNO-Forscher gewinnen Innovationspreis der Medizintechik: Entwicklung eines maßgeschneiderten Hörimplantats

Hilfe für stark Schwerhörige erhoffen sich Mediziner und Ingenieure in Hannover von einem neuartigen OP-Verfahren. Mit einem Roboter wollen sie Elektroden in die immer enger werdenden Windungen der Hörschnecke (Cochlea) lenken – ohne anzuecken. Dies kann gelingen, weil das Implantat sich an die Form der Cochlea „erinnert“.

Das Projekt ist einer der Gewinner des Innovationswettbewerbs Medizintechnik 2007. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit bis zu 300.000 Euro für die Durchführung eines Schlüsselexperiments gefördert. Für dieses Projekt arbeiten die Mediziner der MHH zusammen mit Ingenieuren der Universität Hannover und weiteren Kooperationspartnern.
 
„Das Problem ist, die Elektroden so einzuführen, dass sie in der Cochlea eine optimale Position einnehmen, um den Gehörnerv zu reizen“, erklärt Professor Thomas Lenarz von der Medizinischen Hochschule Hannover. Die noch aktiven Hörzellen dürfen dabei nicht geschädigt werden. Die Wissenschaftler setzen daher auf sogenannte steuerbare Formgedächtnis-Elektroden. Diese bestehen aus einem Memory-Metall, das seine Form je nach Temperatur ändern und sich sogar an zuvor gelernte Formen „erinnern“ kann. Eine gerade Elektrode kann sich so bei ansteigender Temperatur krümmen, bis sie ihre endgültige Gestalt erreicht hat.
 
Ist die Form der Hörschnecke des Patienten bekannt, kann die Elektrode wie ein Maßanzug anpasst werden. Während sie in das Innenohr geschoben wird, nimmt das Metall durch die Körperwärme des Patienten die gespeicherte Form an. Nach den Plänen der Wissenschaftler hilft dabei ein computergesteuerter OP-Roboter, der sich viel präziser bewegt, als es die Hand eines Chirurgen könnte.
 
Welche Form die Hörschnecke hat, verraten hochaufgelöste räumliche Bilder aus dem Computertomographen. Neu – und für den Patienten schonender – ist auch der minimalinvasive Zugang, den die Wissenschaftler zum Innenohr wählen: Direkt hinter dem Ohr bohren sie einen Kanal durch den harten Knochen des Felsenbeins.
 
Cochlea-Implantate sind Neuroprothesen, die den noch intakten und funktionsfähigen Hörnerv elektrisch reizen. Dabei ersetzen sie die Arbeit der Hörzellen, die Schall in Nervenimpulse umwandeln. Bei innenohrbedingter Taubheit sind sie derzeit die einzige erfolgreiche und etablierte Behandlungsmethode.

Cochlear

Schemadarstellung eines Cochlea-Implantat-Systems,
bestehend aus Mikrofon (1), Sender- (2) und
Empfängerspule (3) sowie Multielektrodenarray (5).

Kooperationspartner sind:
Prof. Dr. med. Thomas Lenarz, Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde (HNO) der MH Hannover
Prof. Dr.-Ing. habil. Bodo Heimann, Institut für Robotik (IfR) der Leibniz Universität Hannover
Christoph Müller, CADFEM GmbH, Grafing
Albert Schaeffer, PolyDimensions GmbH, Bickenbach
Jörg Pesch, Cochlear GmbH Hannover
G. Sedlmayr, G. RAU GmbH & Co. KG, Pforzheim

Weitere Informationen:
www.mh-hannover.de
www.uni-hannover.de

Ansprechpartner

Dr. med. Omid Majdani, Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde (HNO)
Telefon: 0511 / 532-9877