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30. April 2008

Gartenmöbel, Terrassendielen, Fenster: Göttinger Wissenschaftler machen Buchenholz haltbar

Ob Picknickbänke oder Gartenstühle: Wer nach Gartenmöbeln Ausschau hält, findet fast ausschließlich Produkte aus Tropenholz. Das könnte sich bald ändern: Wissenschaftler am Institut für Holzbiologie und Holzprodukte der Universität Göttingen haben eine Methode entwickelt, das Buchenholz aus heimischen Wäldern ebenso widerstandsfähig, hart und langlebig wie Teak oder andere tropische Holzarten macht. Das Verfahren ist inzwischen patentiert und wird bereits von einigen holzverarbeitenden Firmen verwendet.

Um die Beschaffenheit von Buche zu verbessern, werden die halbfertigen Produkte mit einer speziellen wasserlöslichen Substanz namens „Dimethyl dihydroxy ethylene urea (DMDHEU)“ in einem Vakuumdruckkessel tiefgründig imprägniert. Anders als bei herkömmlichen Verfahren mit Bioziden, mit dem Schädlinge im Holz abgetötet werden, setzen die Göttinger Forscher auf Stabilisatoren wie sie in der Textilindustrie eingesetzt werden, um Stoffe knitterfest und wasserabweisend zu machen. DMDHEU reagiert stark mit den freien Hydroxylgruppen der Zellulose und Hemizellulose, die Holz anfällig machen. Durch einen Wechsel von Druck und Vakuum gelangt die Substanz in das Innere des Holzes und versetzt es in einen dauerhaft gequollenen Zustand, in dem es Vernetzermoleküle an die Hydroxylgruppen bindet. Zusätzliche Hitze und Magenesiumchlorid als Katalysator bewirken, dass sich die Moleküle untereinander oder mit der Zellwand vernetzen.

Bei richtiger Anwendung bewirkt DMDHEU, dass Wasser nicht mehr in dem Maße wie bisher nachteilig auf das Holz einwirken kann. Der Erfolg: Das Buchenholz behält seine Form und Ausmaße, das heißt es quillt und schwindet kaum noch unter dem Einfluss von Feuchtigkeit. Zudem ist es resistenter gegen Fäulnispilze – ein wichtiger Aspekt in punkto Langlebigkeit. Dem Außeneinsatz von Buche steht damit nichts mehr im Wege. Langfristig bietet die so behandelte heimische Buche eine Alternative zu tropischen Hölzern; das schützt nicht nur den gefährdeten Baumbestand in den Tropen, sondern fördert die nachhaltige Waldwirtschaft mit Mischwald und einem hohem Anteil von Laubhölzern.

Das Verfahren haben die Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit BASF und der Holzindustrie entwickelt und zur Marktreife gebracht. Derzeit arbeiten sie gemeinsam mit Partnern an einer Ökobilanz und erforschen die Marktchancen der Buche.

Der Göttinger Forschungsverbund „Innovative modifizierte Buchenholzprodukte“ unter der Leitung von Professor Holger Militz ist eines von 25 Projekten, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Förderung der nachhaltigen Waldwirtschaft finanziell unterstützt wird. Projektträger ist das Kernforschungszentrum Jülich, wissenschaftlich begleitet wird es vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig.


Weitere Informationen:
www.buchenholzmodifizierung.de/index.php

Ansprechpartner

Dr. P. Rademacher, Universität Göttingen, Institut für Holzbiologie und Holztechnologie
Telefon: 0551 / 39-3562