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7. August 2007

Braunschweiger Institut misst die Innenraumluft mit einer europaweit einzigartigen Technik

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung in Braunschweig konstruierten in den siebziger Jahren den weltweit ersten großen Prüfraum zur Bestimmung der nachträglichen Formaldehydabgabe von Spanplatten für das Bauwesen. Gemeinsam mit der Firma Weiss Umwelttechnik in Gießen konzipierten und bauten die Forscher nun eine neue, hochinnovative Kammer, die in ihrer Technik europaweit einmalig ist.

Nach und nach werden diese Substanzen in die Raumluft abgegeben, was nicht nur lästig, sondern unter Umständen auch gesundheitsschädlich sein kann. Das Problem hat sich angesichts besserer Gebäudedämmungen in den letzten Jahren verschärft. Herkunft, Konzentration und Zusammensetzung dieser Substanzen werden in speziellen Emissionskammern nachgewiesen, die unter kontrollierbaren Bedingungen eine Innenraumsituation nachbilden.
Bereits seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts messen Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung, „Wilhelm-Klauditz-Institut“, in Braunschweig Emissionen von Bau- und Werkstoffen und daraus hergestellten Produkten. Sie konstruierten seinerzeit den weltweit ersten großen Prüfraum zur Bestimmung der nachträglichen Formaldehydabgabe von Spanplatten für das Bauwesen. Der Raum fasste 48 Kubikmeter und ermöglichte wirklichkeitsnahe Emissionsmessungen mit Spanplatten unter kontrollierten Klimabedingungen. Das damit entwickelte Prüfverfahren wurde Referenzmethode für zahlreiche normative und gesetzliche Regelungen in Deutschland und Europa. Dabei wurde das Verfahren auch auf die Untersuchung der Formaldehydabgabe von anderen Werkstoffen sowie von Bauteilen, Möbeln und Inneneinrichtungen übertragen.

Beurteilt man heute die wohnhygienische Eignung von Produkten für den Innenraum, so stehen neben Formaldehyd zahlreiche flüchtige und semiflüchtige organische Verbindungen (VOC und SVOC Neue Prüfkammer des WKI) im Mittelpunkt des Interesses. Hinzu kommen Emissionen von zumeist geruchlich relevanten Sekundärprodukten, mikrobiologisch gebildeten Geruchsstoffen und Sporen sowie Mikro- und Nanopartikeln aus diversen Quellen.
Gemeinsam mit der Firma Weiss Umwelttechnik in Gießen konzipierten und bauten die WKI-Forscher nun eine neue, hochinnovative Kammer, die diesen veränderten Anforderungen gerecht wird. Ausgestattet mit zeitgemäßer Steuerungstechnik lassen sich klimatische Einflussgrößen wie Temperatur, Luftfeuchte und Luftwechsel sehr präzise über einen großen dynamischen Bereich einstellen und automatisch regeln. Die spezielle Behandlung der inneren Edelstahloberfläche minimiert mögliche Senkeneffekte. Diese Wechselwirkungen zwischen den in der Emissionskammer verwendeten Materialien und dem eigentlichen Prüfkörper könnten sonst Verfälschungen in den Messergebnissen nach sich ziehen. Besonderes Augenmerk wurde zudem auf die Ausführung geeigneter Probenahmestellen gelegt. Mit der neuen Kammer wird eine im gesamten europäischen Raum qualitativ einzigartige Technik in Realraumgröße angeboten.

Ergänzend investierte das Institut in modernste Analysetechnik. Neben üblicher Gaschromatographie / Massenspektrometrie misst nun ein Protonen-Resonanz-Massen-Spektrometer zeitaufgelöst die Konzentration organischer Substanzen im untersten Spurenbereich. Außerdem verfügen die Wissenschaftler über verschiedene Geräte zur zeitaufgelösten Bestimmung von Anzahl und Größenverteilung von Fein- und Feinstpartikeln.

Bis Anfang nächsten Jahres ist die Prüfkapazität der Emissionskammer bereits ausgelastet, unter anderem mit Emissionsuntersuchungen von Möbeln, Ausstattungsmaterialien sowie Bau- und Dämmstoffen in einem Modellinnenraum. Die Kammer wird weiterhin genutzt zur Unterstützung von Felduntersuchungen zur Innenraumluftqualität und zur Bestimmung bestimmter Klimaeinflüsse auf die Emissionscharakteristik von Produkten. Ein weiteres Einsatzgebiet wird die Erarbeitung von Kenndaten und Modellen zur Abschätzung und Prognose von Produktemissionen sein. Darüber hinaus wird sie zur Zulassung verschiedener Produkte und Produkttypen für Innenraumanwendungen auf der Basis solcher Emissionskenndaten genutzt. In einem aktuellen Forschungsvorhaben in Zusammenarbeit mit der Universität Gießen wird zudem erforscht, welche Auswirkungen natürliche Emissionen aus Holzprodukten auf Gesundheit und Wohlbefinden des Menschen haben.

Weitere Informationen:
www.wki.fraunhofer.de

Ansprechpartner

Prof. Dr. Rainer Marutzky, Fraunhofer-Institut für Holzforschung Braunschweig, Wilhelm-Klauditz-Institut - WKI
Telefon: 0531 / 2155-212
Prof. Dr. Tunga Salthammer, Fraunhofer-Institut für Holzforschung Braunschweig, Wilhelm-Klauditz-Institut - WKI
Telefon: 0531 / 2155-350