Aktuelles

17. Juli 2008

2009 kommt der "Campus Forschungsflughafen"

Auf Anraten des deutschen Wissenschaftsrates wird am Forschungsflughafen Braunschweig ein “Campus Forschungsflughafen“ entstehen. Dazu wird im nächsten Jahr ein neuer Anbau mit Versuchshalle, Triebwerkprüfstand und Bürogebäuden gebaut. Sechs Institute der Luft- und Raumfahrttechnik der Technischen Universität Braunschweig und vier luftfahrttechnische Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) werden hier gemeinsam das „bürgernahe“ Flugzeug entwickelt. Es soll ein besonders leises, leistungsstarkes und sicheres Flugzeug mit einer kurzen Start- und Landestrecke werden.

Derzeit arbeiten bereits mehr als 30 Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie Behörden und Bundesämter am Forschungsflughafen Braunschweig gemeinsam daran, die Luftfahrt und Verkehrstechnik sicherer zu machen. Der "Forschungscampus" soll die am Standort Braunschweig bestehenden Luftfahrtinstitute zusammenführen und enger vernetzen.

Die einmalige Ausstattung des Forschungsflughafens mit Großforschungseinrichtungen - wie Simulatoren, Flugzeugen und Windkanälen - sowie die Flughafeninfrastruktur geben den Beteiligten herausragende Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Der direkte Draht zwischen den angesiedelten Behörden, Technologietransferstellen und Bundesämtern macht es möglich, dass Forschungsergebnisse schnell und effizient in neue Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden können.

Am Forschungsflughafen werden vorrangig neue Anwendungen für die Verkehrsicherheit erprobt. So finden sich am Forschungsflughafen Unternehmen und Institute mit umfassendem Wissen aus dem Flugzeugbau, die neue Strukturen und Materialien, Flugzeugentwürfe sowie Triebwerke entwickeln und testen. Außerdem simulieren sie Landemanöver, entwickeln moderne Verkehrs-Management-Systeme und testen das neue Satellitennavigationssystem Galileo.

Verkehrs-Management-System

Um das Timing am Flughafen, aber auch an Verkehrsknotenpunkten im Straßen- und Schienenverkehr zu verbessern werden am Forschungsflughafen neue Verkehrs-Management-Systeme entwickelt. Denn jährlich steigt das Verkehrsaufkommen, ob auf der Straße, in der Luft oder auf den Gleisen. Die entstehenden Verspätungen oder Verkehrsengpässe können sehr kostspielig sein.

Galileo

Auch das neue europäische Satellitennavigationssystem Galileo, das voraussichtlich ab 2013 verfügbar sein wird, testen die Forscher am Forschungsflughafen.

Galileo bietet im Gegensatz zu dem herkömmlichen GPS (Global Positioning System) eine Signalgarantie für verschlüsselte Frequenzen. Das ermöglicht erstmals den Einsatz der Ortung von Flugzeugen für sicherheitskritische Anwendungen. Diese Anwendungen werden am Forschungsflughafen geprüft.

So werden zum Beispiel im Rahmen des Projektes Air Gate im Umkreis sowie auf dem Forschungsflughafen Sender am Boden stationiert, die den Einsatz der künftigen Galileo-Satelliten simulieren. Das Testfeld soll eine umfassende Erprobung von Galileo-Anwendungen für den Flugbetrieb ermöglichen.

Simulation

Auch im Bereich der Simulation ist der Forschungsflughafen hervorragend ausgestattet.
Modernste Technologien, wie die speziell für Forschungsvorhaben ausgerüsteten Flugzeuge und Hubschrauber sowie weitere Einrichtungen im Labor erlauben die Simulation und Erprobung von Anwendungen im Luftverkehr sowohl unter virtuellen Bedingungen als auch am realen Verkehrsträger. So können automatische Landeanflüge, Freeflight-Konzepte und innovative Piloten-Assistenzsysteme erprobt werden.

Um die Flugeigenschaften eines Flugzeuges und dessen ökologische und wirtschaftliche Auswirkungen zu testen, kann der Flug von Flugzeugen im Simulationszentrum C 2A 2S 2E 2 (Center for Computer Applications in AeroSpace Science and Engineering) exakt in Echtzeit simuliert werden.
Beteiligt an dem Projekt sind unter anderem Airbus, das DLR und das Land Niedersachsen.

Auch im Auto- und Zugverkehr werden verschiedene sicherheitsrelevante und -kritische Situationen virtuell und an Originalteilen getestet. An den Projekten sind unter anderem die Volkswagen AG, das DLR und die TU Braunschweig beteiligt.

Für die Raumfahrt werden am Forschungsflughafen Umgebungsbedingungen im erdnahen Weltraum simuliert, um Missions- und Risikoanalysen für Raumfahrtmissionen erstellen zu können.

Autonome Systeme

Auch Fahrzeuge und Flugzeuge, die Strecken ohne Fahrer oder Piloten zurücklegen können wurden am Forschungsflughafen bereits entwickelt. Hier werden Missionskontrollsysteme, sicherheitskritische Software und hochpräzise Navigationstechniken entwickelt damit sich die Verkehrmittel im Luftraum bzw. auf der Straße zurechtfinden.

Beispiele sind die Mikroflugzeuge der Firma Mavionics. Die unbemannten Kleinflugzeuge werden zur Messung von meteorologischen Daten oder zur Überwachung von Waldschäden eingesetzt.


Rumpf und Tragflügel mit neuen
Hochauftriebsklappen mit Druckluftausblasung
für kurzstartfähige Verkehrsflugzeuge

Weitere Informationen:
www.forschungsflughafen.de
www.tu-braunschweig.de/ism


Ansprechpartner

Forschungsflughafen Braunschweig GmbH
Telefon: 0531 / 36260100
Prof. Dr. Rolf Radespiel, Technische Universität Braunschweig, Institut für Strömungsmechanik
Telefon: 0531 / 391-2970